Messanlage erfasst Fahrzeuge als 3D-Datenmodell
5. August 2016

Fahrbericht Mustang GT V8 Fastback (Coupé) – Fit for Fun

Ford Mustang, Generation sechs: Fit for fun

50 Jahre nach der ersten Mustang-Baureihe liefert Ford jetzt die sechste Generation seiner Sportwagen-Legende erstmals an europäische Ford-Händler. Mit aufgefrischtem Design und stark überarbeitetem Fahrwerk will der markante Amerikaner den Abstand zu europäischen Wettbewerbern deutlich verkürzen. Bei einer ersten Ausfahrt setzte das V8-Coupé klare Akzente als modernes Muscle Car.

Der Ford Mustang verbindet seit seinem Geburtsjahr 1964 eine markante Karosserieform mit kraftvollen Antrieben: seit jeher wahlweise mit einem V6- oder einem noch potenteren V8-Motor unter der vorderen Motorhaube. Damit avancierten die vergangenen fünf Generationen schnell zu Klassikern und gewann weltweit im Handumdrehen Millionen von Fans. Bislang gebaute Einheiten: 9,2 Millionen. Das Modelljahr 2015 profitiert optisch von einem dezenten und gleichzeitig verschärfenden Design-Update. Der messerscharfe Blick der Hauptscheinwerfer und das überarbeitete Haifischmaul des Kühlergrills demonstrieren an der Front eindeutig Sportwagen-Gene. Daran fügt sich eine leicht ansteigende Silhouette mit einem klassischen Hüftknick in Höhe der Hinterachse. Das Heck mit moderner Leuchtengrafik, drei vertikale Streifen auf jeder Seite, bildet den optischen Abschluss dieses charakteristischen Coupés.

Kommen wir zum Fahren. Die Recaro-Sitze sind über alle (Sportfahrer-) Zweifel erhaben, bekannt hoher Recaro-Standard. Das übersichtliche Armaturenbrett, klassische Rundinstrumente, ein griffiges Lederlenkrad mit Multifunktionstasten und ein kurzer Schalthebel sind ganz auf den Piloten ausgerichtet. Auch wenn Ford mit seiner kleinen Dreizylinder-Motorenreihe wiederholt Preise einfährt – 1,0-Liter-EcoBoost: Motor des Jahres 2012, 2013 und 2014! – heißt das nicht zwangsläufig, dass sie keine großvolumigen V8-Motoren bauen können. Und wie sie das können! Der 5-Liter-Sauger arbeitet mit einem fast quadratischem Bohrung-/Hub-Verhältnis (B x H: 92,2 x 92,7 mm), Vierventiltechnik und doppelter Nockenwellen-Verstellung. Die Ein- und Auslass-Nockenwellen erhielten gegenüber dem Vorgängermodell neue Steuerzeiten, die Kanäle wurden für höheren Durchlass ebenfalls überarbeitet. So weit, so unaufgeregt.

Ein Dreh am Schlüssel und es geht los. Das Triebwerk springt spontan an, läuft im Leerlauf brav und unauffällig vor sich hin. Bei Bedarf kann der Fahrer per Vollgas bis zu 421 PS und 530 Newtonmeter an die Hinterachse schicken. Reichlich Schmalz für den 1,7 Tonnen schweren Hecktriebler.
Sofort stellt sich große Freude ein, wenn der V8 nach einer leichten Drehmomentschwäche knapp über Leerlaufdrehzahl zulegt. Es folgt in den unteren Gängen energisches Hochdrehen bis in den Drehzahlbegrenzer bei 7.000 Umdrehungen. Leistungslöcher kennt er nicht. Dazu gesellt sich ein kehliges Ansauggeräusch aus dem Motorraum. Fast and Furious á la Ford. Wobei die Straße trocken und die Reifen warm sein sollten. Sonst wird die Antriebsschlupfregelung jäh aus ihrer Arbeitslosigkeit gerissen und glättet die überschäumende Drehmomentwelle – damit es nicht zu unfreiwilligen Wendemanövern, sprich Drehern, kommt. Mit der direkt übersetzten Lenkung lässt sich das Heck bei erhöhter Aufmerksamkeit auch wieder einfangen. Mit warmen Reifen ist der Grip so hoch, dass die Räder höchstens in engen Kehren und durchgetretenem rechten Pedal erfolglos nach Halt suchen.

Das Sechsgang-Schaltgetriebe ist nicht ganz so butterweich zu schalten, wie Getriebe in süddeutschen Wettbewerbern, aber die Führung ist exakt, die Wege sind kurz. Wir will, legt bei Tempo 30 den fünften Gang ein und lässt den V8 bei 750 Umdrehungen leise vor sich hin blubbern. Spontane Vollgas-Stellungen am Ende der Tempo-30-Zone nimmt der 5-Liter ohne Mucken auf und dreht ohne Verschlucken mit williger Drehfreude bis in den Begrenzer. Der Sprint von 0 auf 100 vergeht in nur 4,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 250 km/h abgeregelt.

Die wichtigste Neuerung zum optischen Facelift ist das Fahrwerk. Ford hat die hintere Starrachse des Mustangs nach 50 Jahren endlich in die Geschichtsbücher verbannt. Die Einzelradaufhängung hinten bringt deutlich mehr Ruhe bei schneller Fahrt auf welliger Fahrbahn und verbessert die Kurventraktion. Im Kurvengeschlängel auf forciert gefahrenen Landstraßenabschnitten überzeugt der Mustang durch souveränen Grip der 19-Zoll-Bereifung. Vorne auf 255/40, hinten auf 275/40. Aufkommenden Gripmangel in engen Kurven fängt das serienmäßige ESP-System unverzüglich ein. Die verbaute Brembo-Bremsanlage gefällt durch konstant harten Druckpunkt selbst bei hoher Beanspruchung und guter Dosierbarkeit auch knapp vor der Haftungsgrenze. Schneller als 160 konnten wir wegen Tempolimits auf den vorliegenden Straßen leider nicht fahren. Zur Top-Speed-Stabilität und Lenkpräzision kann hier deshalb keine Aussage getroffen werden.

Fazit: Das neue Mustang GT Coupé bietet mit seinem 5-Liter-Triebwerk sehr sportliche Fahrleistungen, sowohl Bremse als auch Fahrwerk sind mit der Leistung nicht überfordert. Das etwas knöchern zu schaltende Sechsgang-Getriebe kann man mit einem Augenzwinkern übersehen, denn: Der Amerikaner katapultiert sich in die Leistungsklasse von Aston Martin Vanquish (120.995 Euro), Jaguar F-Type (77.000 Euro), Maserati Gran Turismo 4.2 V8 (112.760 Euro) und Porsche 911 Carrera 4 (97.557 Euro)! Und damit wären wir auch schon beim Preis: Für 40.000 Euro plus Überführungskosten steht der Pony Express beim Ford-Händler.

Ford Mustang GT Fast Back
Länge: 4.784 m
Breite: 1.916 m
Höhe: 1.381m
Radstand 2.720 mm
Karosserieform: Coupé, hintere Sitzbank umklappbar
Leergewicht: 1.720 kg
Tankinhalt: 61 Liter
Bereifung Testwagen: Pirelli P ZERO; 255/40 ZR19 96Y vorn; 275/40 ZR19 101Y hinten.

Motor: V8-Ottomotor
Hubraum: 4.951 ccm
Leistung bei U/min: 310 kW (421 PS) bei 6.500 U/min
Drehmoment bei U/min: 530 Nm bei 4.250 U/min
Antrieb auf: Hinterräder
Getriebe: 6-Gang, Handschaltung
EU-Verbrauch insgesamt: 13,5 Liter Super; CO2: 299 g/km
Test-Verbrauch: – Liter; CO2: – g/km
Abgasklasse : EU6

Garantie: 2 Jahre
Garantie gegen Durchrostung: 12 Jahre
Service: alle 12 Monate oder 16.000 km
Inspektion: alle 24 Monate oder 40.000 km

Preis 2015: 40.000 Euro zzgl. Überführung

Serienausstattung:
ABS, ESP
Berganfahr-Assistent
Geschwindigkeits-Regelanlage
Front-; Kopf-/Schulter-Airbag
Knie-Airbag-Fahrer

Klimaautomatik
Leder-Lenkrad
Leder-Sportsitze von Recaro; elektrisch einstellbar
Xenon-Scheinwerfer

Audiosystem CD inkl. Ford SYNC 2 mit 8-Zoll-Touchscreen und Sprachsteuerung
Radio-CD-Player, MP3-fähig, 8 Lautsprecher und Lenkrad-Fernbedienung
Digitaler Radioempfang (DAB/DAB+)
Ford SYNC 2 mit 8-Zoll-Touchscreen
20,3 cm Bildschirm-Diagonale (farbig / hochauflösend)
Bluetooth-, USB- und AUX-Schnittstelle; SD-Kartenschacht
Einbindung mehrerer Telefone, Freisprecheinrichtung
SMS-Vorlesefunktion mit Anzeige im Display sowie SMS-Versandfunktion
Abspielen von Musik (Bluetooth-Audiostreaming)
Einbindung von Speichermedien wie USB und MP3-Player zum Abspielen von Musik
Bei allen Funktionen ist eine Steuerung per Sprachbefehl möglich
Notruf-Assistent
Optional steht das Premium-Sound-System mit zwölf Lautsprechern und Ford Navigationssystem zur Verfügung. Beide Systeme lassen sich über den Touchscreen oder die erweiterte Sprachsteuerung bedienen.

copyright: Text&Fotos autofilme.de (os)

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